Premiere von "Unfassbares Österreich" im Theater Akzent
Kritik vom 27.10.2009 in Klein&Kunst-online
Gewohnt sprachverspielt präsentierte sich Ludwig Wolfgang Müller gemeinsam mit dem CrossNova Ensemble am 26.10. 2009 im Theater Akzent beim musikalischen Kammerkabarett „Unfassbares Österreich“ und begeisterte nicht nur Klein&Kunst-Redaktrice Margot Fink.
„Es woa ka wöd, es woa nixi ned. Und Gott sprach: ,Es werde Linz.’ Und es ward Linz...“ Hier handelt es sich um die Müllersche Interpretation der Schöpfungsgeschichte, die der Autor, Kabarettist und Salzburger Stier-Preisträger Ludwig Müller als Einstieg in das „Unfassbare Österreich“ präsentiert. Begleitet wird er vom CrossNova Ensemble. Es spielen Sabine Nova (Violine), Hubert Kerschbaumer (Klarinette), Leonard Eröd (Fagott) und Rainer Nova (Klavier).
Müller konzentriert sich im ersten Teil des Abends auf die sprachlichen Eigenheiten und ausländischen Einflüsse im österreichischen Idiom, wie etwa im westlichen Österreich, wo die chinesischen Einflüsse sichtbar werden, wenn die Vorarlberger als Xi-Berger bezeichnet werden, oder die Ortsnamen Kitzbühl und Ötztal auf türkische Einflüsse schließen lassen. Er referiert auch über die österreichische Beamtengrammatik, konjugiert zum Beispiel das Verb „I-mag-ned“ oder erklärt das beamtenspezifische Passiv „es wird irgendwann erledigt werden.“ Höhepunkt vor der Pause ist die traurige Lebensgeschichte von Zsolt Plagiat, der viele wunderbare Lieder komponiert hat, die ihm gestohlen werden, so bereichern sich Karel Gott (Biene Maja), Ambros, Nena, Reinhard Mey am Liedgut des Zsolt Plagiat.
Im zweiten Teil des Abends kommt für eine Laudatio eine neue Figur auf die Bühne. Es handelt sich um den Studienrat Birngruber, mit Brille, Bauch und Hut, der als Laudator von Ludwig Müller auftritt. Er informiert über Sehenswürdigkeiten aus dem Geburtsort von Müller, z. B. die Kathedrale der Heiligen Gabi, der Schutzheiligen der Frisösen, und liefert einige biografische Angaben zum Autor Ludwig Müller. Erwähnt sei u. a. seine kurze Karriere als Promo-Schüttelreimer ( „Was nützt ein Heilbad/wenn im Kopf man ein Beil hat“). Apropos Schüttelreim, da gibt es ja den Verein der Freunde des Schüttelreims mit Sitz in Vaduz, der immer wieder tagt und der zu den Sitzungen, an denen auch Christoph Krall und Simon Pichler teilnehmen, gerne Publikum einlädt.
An dieser Stelle muss jetzt aber endlich auch vom grandiosen CrossNova Ensemble die Rede sein, die nicht nur als Begleitung von Ludwig Müller auftreten. Es wird auch ihnen auf der Bühne genügend Raum gegeben. Das Ensemble CrossNova wurde im Jahr 2006 von Sabine Nova, der Konzertmeisterin des RSO-Wien, und dem Pianisten Rainer Nova gegründet. Es versteht sich als „projektbezogen-flexibler Klangkörper“, wie auf ihrer Homepage zu lesen ist. Sie schreiben weiters über sich: „Den Kontrapunkt zu klassisch-traditionellen Konzerten bilden vorrangig zeitgenössische und spartenübergreifende Projekte, die die Musiker auch zu manch vokaler Gratwanderung animieren.“ Was sie an diesem Abend auch ausreichend zeigen können.
Es ist faszinierend zu sehen und zu hören, wie gut das Sprachspiel und der Wortwitz von Ludwig Müller, dieses Spielerische und Phantasievolle, zum musikalischen Spiel des CrossNova Ensembles passt. Die MusikerInnen stehen ihm keineswegs nach in Witz, Gewandtheit und Kreativität. Wenn er mit Worten spielt und mit Reimen erheitert, tun sie es mit Melodien und Arrangements, brechen Altbekanntes und arrangieren neu. Plötzlich klingt etwas Klassisches nach Swing, Funk oder Blues, und eine Wiener Heurigenmelodie mischt sich mit japanischen Klängen.
Ludwig Müller als Sprachakrobat zaubert wieder einmal allerlei Wortwitziges und Unterhaltsames aus seinem (Sprach)Hut. Das CrossNova Ensemble bereichert und begeistert durch Neubearbeitungen, kreative und überraschende Arrangements und Kompositionen. Ein Hör- und Seherlebnis zum Weiterempfehlen. „Unfassbares Österreich“ birgt einiges an Neuentdeckungen!
Margot Fink für Klein&Kunst Onlein.
