Reha mit Lehár

ein therapeutischer Kabarettabend mit Dominik Maringer, Ilia Staple und CrossNova


Dominik Maringer
 - Konzeption, Texte, Videos 
Rainer Nova
- Konzeption, Arrangements, Kamera

 


Würdigung, Persiflage, Kommentar, respektvolle Operetten-Ironisierung, Karikatur moderner Heilsversprechen
– dieser
 "Reha mit Lehár"-Abend, den der Schauspieler Dominik Maringer, 
die Sängerin Ilia Staple und das vor Kreativität nur so blubbernde
Musik-Ensemble "CrossNova" am Mittwoch beim Lehár Festival in 
Bad Ischl zur Uraufführung gebracht haben, nimmt sich das alles vor.
Und er löst das alles ein.

(...) 

Fazit: Über die Berge der Ironie und durch die Täler des Slapstick bleibt 
"Reha mit Lehár" nie in der Ebene der Belanglosigkeit stecken. 
Ein heißes, zweistündiges Vergnügen.

(Peter Grubmüller in den OÖN, 3.8.2018)

 

In ihrer fünften gemeinsamen Arbeit beschäftigen sich der Schauspieler Dominik Maringer und CrossNova mit dem Operettenkomponisten Franz Lehár. 
Erstmals mit dabei ist die Sopranistin Ilia Staple.


Dominik Maringer schlüpft in die Rolle des Prof. Dr. Maringer, eines pedantischen Universalgelehrten, der sich selbst zum obersten Guru der Lehárianer Sekte ausruft. Mit dubiosen Heilsversprechen, angelehnt an Lehárs Biographie und Musik, versucht er das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Ilia Staple alias Fräulein Polga ist dabei sein prominentestes Versuchskaninchen. Sie unterzieht sich allen Lehár-Behandlungen als erste und scheint dem Professor nicht nur in der Arbeit wichtig zu sein.

 „Reha mit Lehár“ ist ein Kabarettabend, der Musik, Schauspiel, Liebesgeschichte und Komödie in operettenhafter Weise verbindet. Die Musiker von CrossNova erweisen sich dabei als die wahren Musiktherapeuten, die sich mit Lehárs Klassikern, sowie Musik von Hermann Leopoldi, Johann Strauß, Roland Neuwirth, Herbert Grönemeyer, uva. – charmant und frech, leidenschaftlich und virtuos – direkt in die Herzen des Publikums spielen.
So witzig und musikalisch auf höchstem Niveau wurde Operette medizinisch noch nie behandelt!

 

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aus dem Programmheft des Lehárfestivals 2018

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Abend über Lehár und Reha zu machen?

Rainer Nova: Ursprünglich entstand die Idee aus dem Blödeln heraus. Meine Frau Sabine - die Geigerin des heutigen Abends - ist gebürtige Ischlerin. Wir verbringen hier also regelmäßig Zeit mit unserer Familie. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ihr - wir hatten uns am Weg nach Ischl über diverse Werbeplakate an der Bundesstraße lustig gemacht - beim Kreieren neuer Slogans plötzlich „Reha mit Lehár“ über die Lippen kam. Und dann ergibt ein Gedanke den anderen. Mit Dominik - mit dem uns neben der künstlerischen auch eine langjährige persönliche Freundschaft verbindet - haben wir schon mehrere gemeinsame Programme entwickelt. Und als dann Thomas Enzinger gefragt hat, ob wir für das Lehárfestival etwas Neues machen wollen, sind wir unmittelbar zur Tat geschritten. 

Dominik Maringer: "Reha mit Lehár" ist bei genauerer Betrachtung nicht nur ein lustiger Reim. In Kurorten verbindet sich die Sehnsucht nach Heilung mit der Sehnsucht nach Kunst und Liebe. So gibt es die Kurmuschel, die Kurmusik, den Kurschatten. Es ist kein Zufall, dass in Kurorten Sommerfrischler, Künstler und Patienten aufeinander treffen. Musik trägt zur Heilung bei, das weiß man nicht erst seit es die Musiktherapie gibt. Und dass in Kurorten eher leichte Unterhaltungsmusik entstanden ist und aufgeführt wurde, hat mit der Natur der Sache zu tun. Herzpatienten sollten sich eben nicht zu viel aufregen. 

 

Unter den Operetten zählen Lehárs Werke zu den ernsteren und anspruchsvollen. Wie gelingt es, hier einen komödiantischen Zugang zu finden?

RN: Ich glaube, dass gerade diese Diskrepanz das eigentlich Reizvolle daran ist. Gutes Kabarett zeichnet sich für mich dadurch aus, dass Pointen nicht so ganz klar zu deuten sind, manchmal komisch und tragisch zugleich - Josef Hader ist ein Meister was das betrifft.

DM: Darüber hinaus sind es nicht nur Lehárs Werke, die uns als Grundlage für unseren Abend dienen. Auch seine Biographie bietet genügend Stoff, und hier finden sich durchaus komödiantische Elemente. Er lebte jahrelang "in wilder Ehe" - so hieß das damals - mit seiner späteren Frau Sophie, anfangs allerdings nicht im selben Haus, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft, er im Rudolfkai Nr. 6, sie in Nr. 8. Ganze acht Jahre lang hielten sie diese Scheinfassade aufrecht, dann zogen sie gemeinsam in eine Villa, die Lehár gekauft hatte. Das alles hielt ihn übrigens nicht davon ab, über Freunde und Bekannte zu lästern, die außereheliche Beziehungen führten. Für mich birgt diese Biographie eine große Komik, im Grunde ist sie selbst Operettenstoff. 

 

Spielt "Reha mit Lehár" denn in der Vergangenheit, oder hat der Abend aktuelle Bezüge?

DM: Wir spielen keineswegs in der Zeit von Franz Lehár, uns interessiert der Bezug zur Gegenwart. Ausgehend von der Operette, die ja eine Art Heilsversprechen birgt - mit dem Happy End und der heilen Welt, die sie darstellt - haben wir uns gefragt: Welche Heilsversprechen sind für uns heute wichtig? Die Reha, mit dem Versprechen auf körperliche Heilung, ist da nur der Anfang. Wir treiben das Ganze weiter, beschäftigen uns mit Heilsversprechen auf seelischer, spiritueller, ganzheitlicher Ebene. Und so sind wir eben bei der Figur des Prof. Dr. Maringer gelandet, der nicht nur Badearzt, sondern auch Oberguru der Lehárianer-Sekte ist. Und anhand seiner Assistentin Polga, die er ganzheitlich geheilt hat, beweist, wie wirksam seine Methode ist. 

RN: Wir leben in einer Zeit in der Realität und Fiktion zusehends verschwimmen. Auch im Gesundheitsbereich ist Scharlatanerie oftmals schwer von seriösen Therapieformen zu unterscheiden.
Ich kam vor ein paar Jahren im Burgenland einmal in den Genuss einer hawaiianischen Lomi Lomi Nui-Massage. Das Vergnügen währte allerdings nur kurz, denn die Behandlung begann mit dem Vortrag eines traditionellen hawaiianischen Liedes. Das war von der Idee her sehr liebenswert, aber der Text kam der Ausführenden, die unüberhörbar aus der Steiermark kam, genauso „spanisch“ vor wie mir, und auch der melodische Verlauf war nur schwer nachvollziehbar. Das war einer jener Momente, in denen man sich nicht mehr so sicher ist, ob das hier alles wirklich passiert, oder ob man nicht bereits Teil einer Parodie ist.
Andererseits, je länger ich mich mit der lehárschen Reha beschäftige umso mehr wundere ich mich, dass diese Nische von all den Marketingstrategen bislang unentdeckt geblieben ist.
Warum nicht in Wellnessbereichen die ewig gleiche synthetische Panflötenleier aus der Digitalkonserve durch live dargebotene Musik ersetzen?Warum nicht originale Walzerklänge von Franz Lehár zu einer Aquagymnastik in Bad Ischl spielen? Das könnte für ein Unternehmen wie die Eurothermen tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal sein.
Ich glaube hier gibt es noch viel Potential, den richtigen Ton zu treffen, auch wenn das auf den ersten Blick manchmal absurd erscheint.

 

 

Text-Auszug aus „Reha mit Lehár“:

Ich, Prof. Dr. Maringer, oder vielmehr

meine Kraft ist hier für die, die sie wollen

und für jene, die hoffen zu bekommen

oder zu fühlen was Tausende bereits

erlebt haben.

Ich bin hier, um euch zu umarmen mit

derselben Liebe und Wärme,

mit denselben Gedanken und Wünschen

und um sicherzustellen, dass ihr wirklich bekommt,

weswegen ihr hierher gekommen seid.

Öffnet Eure Sinne,

lasst den Geist Lehárs in euer Herz,

durch mich, das Medium, den Oberguru, Prof. Dr. Maringer.

 



 

Presse:


(Neues Volksblatt, 3.8.2018)

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„Reha mit Lehár“ verblüfft in Bad Ischl

Welt-Uraufführung eines ungewöhnlichen Kabarett-Abends — Sopranistin Staple sensationell 

Franz Lehár, der 48 Sommer in Bad Ischl verbrachte, zuletzt in seiner Villa an der Traun lebte und als Ehrenbürger nach seinem Ableben (24. Oktober 1948) auf dem Stadtfriedhof begraben wurde, kommt heuer beim Lehár-Festival nicht nur mit seinem Operetten-Hit „Das Land des Lächelns“ im Kongress- & TheaterHaus zu Aufführungsehren, sondern auch im Lehár-Theater mit der originellen Welt-Uraufführung von „Reha mit Lehár“. Intendant Thomas Enzinger hat Schauspieler Dominik Maringer und Komponist Rainer Nova motiviert, Lehárs Leben zu durchforsten, ihn mit anderen Komponisten zu konfrontieren, aber auch sein Verhalten im Nationalsozialismus kabarettistisch zu interpretieren.

Professor Maringer, dargestellt durch Autor Dominik Maringer, ist eine Art mehrbegabter Wissenschaftler und Vorsitzender der ersten Synode der Lehár-Glaubensgemeinschaft. Über der Bühne sehen wir immer wieder das majestetisch anmutende Porträt des jungen Lehár, der auch durch eine kleine Fassung auf dem Bühnenboden omnipräsent ist. Der am Klavier amtierende Komponist Rainer Nova geht in seinen Arrangements durch die Jahrhunderte, wobei neben den prominentesten Operettenkomponisten beispielsweise Mozart und Konkurrent und Antipode Richard Strauss zu Wort kommen.

Auf der Bühne befinden sich sechs Personen: Professor Maringer sowie ein aus Sabine Nova (Violine), Hubert Kerschbaum (Klarinette), Bernhard Krabatsch (Fagott) und Pianist Nova bestehendes, präzise und vielseitig musizierendes Quartett namens CrossNova — Chamber Music Unlimited und die souveräne Sopranistin Ilia Staple. Diese ist tatsächlich eine Sensationsbesetzung. Phänomenal, ja fast übermenschlich wirkt diese zarte, bewegliche Sänger-Darstellerin.

Das eigentliche Wunder des Abends wirkt sich auf die gesamte Stadt Bad Ischl aus. Da nun Lehár in die Rehabilitation eingreift, ist also noch einmal, am 8. August das Lehár-Theater ein durch Musik wirkendes Reha-Institut.

 




(Oberösterreichische Nachrichten, 3.8.2018)

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Aber singt nur ein Lied, so wird unsere Seele gesund

Lehár Festival: Begeistert beklatschte Uraufführung des kunterbunten Musikkabaretts "Reha mit Lehár" in Bad Ischl. 

Würdigung, Persiflage, Kommentar, respektvolle Operetten-Ironisierung, Karikatur moderner Heilsversprechen – dieser "Reha mit Lehár"-Abend, den der Schauspieler Dominik Maringer, die Sängerin Ilia Staple und das vor Kreativität nur so blubbernde Musik-Ensemble "CrossNova" am Mittwoch beim Lehár Festival in Bad Ischl zur Uraufführung gebracht haben, nimmt sich das alles vor. Und er löst das alles ein. Nach zwei Stunden (mit Pause) steht das gesamte Publikum und turnt im Lehártheater-Backofen von der Bühne aus dirigierte Yoga-Übungen. Auf dieser Synode der Jünger von Übervater Franz Lehár wird die Scham vor Mitmach-Beteiligung in der Gruppe überwunden.

Prof. Dr. Maringer ist der selbst ernannte Guru der Lehárianer-Sekte. Als er seine Prozession in der Stadt von Lehárs sommerlicher Verweil- und ewiger Ruhestätte aufnimmt, spielt das hervorragende Quartett jenes Intro, das einst die TV-Seifenoper "Schwarzwaldklinik" angekündigt hat. An der Rampe steht ein silbern gerahmtes Lehár-Porträt, rechts hinten eine Ausverkauf-Saunakabine als Altar – alles ist gerichtet, um die Brüder und Schwestern mit der spirituellen Kraft des Hadern-Superstars zu heilen. So wie es bei seiner Assistentin Polga gelungen ist. Ilia Staple ist furios darin, die geläuterte Immobilienmaklerin, die dem Sektenanführer-Gaukler anheimfällt, auf die Bühne zu stellen – und erst recht wie sie singt. Ihre Arien sowie die Duette mit Maringer wären schon ein abendfüllendes Erlebnis. "Aber singt nur ein Lied, so wird unsere Seele gesund" möchte man als verführter Sektenbruder auf die Bühne rufen. Gerade so, als hätten sie eines der im Nebenerwerb vertriebenen "Lehár-o-med"-Produkte, etwa den "Neurosenkavalier" gegen miese Stimmung, versprüht.

Die musikalische Grätsche reicht von Wandas "Bussi Baby" bis Lehárs Giuditta-Arie "Meine Lippen, sie küssen so heiß". Kurgäste hüpfen in Zuspiel-Filmen Aqua-Gymnastik. Mehr oder weniger Freiwillige aus dem Publikum treten im Rhythmus und wetteifernd um die Lehárianer-Aufnahme in die Hometrainer-Pedale. 

Am Ende wird Polga alles zu viel, ihre Pumpe streikt. Maringer will sie retten, alle Herzschmerz-Nummern der musikalischen Literatur werden bemüht, um sie samt schulmedizinischer Transplantation auf die Beine zu bringen. Aber es handelte sich nicht um einen Operetten-Abend, würde nicht die Liebe stärker als alles sein.

Fazit: Über die Berge der Ironie und durch die Täler des Slapstick bleibt "Reha mit Lehár" nie in der Ebene der Belanglosigkeit stecken. Ein heißes, zweistündiges Vergnügen.

 



 

Video-Trailer:




 

weitere Hörbeispiele:



CrossNova

Sabine Nova - Violine  Hubert Kerschbaumer - Klarinette  Bernhard Krabatsch - Fagott  Rainer Nova -Klavier



Ilia Staple 

erhielt ihre Gesangsausbildung zuerst privat bei ihrer Mutter, später an der Linzer Anton Bruckner Privatuniversität in der Klasse von Katerina Beranova.
Erste Engagements führten die junge Sopranistin als Gwendolen („Mein Freund Bunbury“) an die Oper Leipzig und als Papagena („Die Zauberflöte“) an die Oper Chemnitz.

Von 2016-2018 war Ilia Staple Mitglied des Oberösterreichischen Opernstudios am Landestheaters Linz und sang dort u.a. Despina („Così fan tutte“), Sandmännchen und Taumännchen („Hänsel und Gretel“), Klärchen Hinzelmann („Im Weißen Rössl“), Ciboletta („Nacht in Venedig“), Rosetta („Leonce und Lena“, EA), Flaminia („Il mondo della luna“). Weiters in Gastproduktionen als Bellezza („Il trionfo del tempo e del disinganno“), Ermengarde („Hello Dolly“), Cis („Albert Herring“).
Sie gastierte bei den Musicalfestwochen Bad Leonfelden als Christine („Phantom der Oper“) und zuletzt im Sommer 2018 als Maria ("West Side Story").



Beim internationalen Brucknerfest Linz verkörperte sie die Rollen Frau Herberstorff („Alea“, UA) Bubikopf („Kaiser von Atlantis“) und Blonde („Entführung aus dem Serail“). Als Midili Hanum („Rose von Stambul“ und als Miss Edith („Die Juxheirat“) war sie beim Lehàr Festival Bad Ischl zu erleben.
An der Bühne Baden verkörperte Ilia Staple die Eurydike („Orpheus in der Unterwelt“) und war im Sommer 2018 als Bronislawa („Der Bettelstudent“) zu erleben.

Ilia Staple ist auch auf der Konzertbühne regelmäßig vertreten und interpretierte u. a. Bachs Johannespassion, Händels Messias, Haydns Schöpfung, Schwertsiks Sonnengesang sowie zahlreiche Solopartien in diversen Messen.
Ab 2018/19 ist sie Ensemblemitglied am Staatstheater am Gärtnerplatz München Als Gast wird sie am Salzburger Landestheater als Franziska Cagliari in „Wiener Blut“ zu erleben sein.



Dominik Maringer

wurde 1978 in Innsbruck geboren und ist in Ungenach, Oberösterreich aufgewachsen. Er besuchte das Musikgymnasium Linz und studierte währenddessen Geige und Klavier am Brucknerkonservatorium. Nach der Matura absolvierte er ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Er spielte als Gast u.a. am Thalia Theater Hamburg, am Schauspielhaus Hamburg und am Schauspiel Frankfurt. Von 2006 bis 2009 war er Ensemblemitglied am Schauspielhaus Graz, anschließend fünf Jahre lang im Ensemble des Schauspiel Hannover. Seit Sommer 2014 lebt Dominik Maringer als freischaffender Schauspieler in Berlin. Zur Zeit gastiert er am Thalia Theater Hamburg, am Schauspiel Zürich, am Staatsschauspiel Dresden und am Schauspiel Hannover. Er arbeitet als Sprecher für Hörfunk und Hörbücher und entwickelt eigene Theaterabende, aktuell zu sehen als "Prof. Dr. Maringer" gemeinsam mit dem Cross Nova Ensemble in "Was Sie noch nie über Musik wissen wollten". Außerdem arbeitet er regelmäßig für Film und Fernsehen, zuletzt beim Wiener "Tatort", für den Film "Trauerweiden", bei "Schnell ermittelt" und "SOKO Kitzbühel".

 

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